Sebastian Czaja

Im Interview

Interviews mit Sebastian Czaja
FDP Abgeordneter im Abgeordnetenhaus von Berlin

Wann kamen Sie das erste Mal mit Politik in Berührung?

Im Zuge eines Schulausfluges haben wir mal den Reichstag besucht. Die Führung durch dieses geschichtsträchtige Gebäude hat mich damals sehr beeindruckt. Der Reichstag ist Geschichte zum anfassen. Eine Geschichte, die Kontinuität der Politik bedeutet.

Die Einschlusslöcher aus dem Krieg, die Inschriften der Russischen Soldaten ließen mir den Krieg als „Antipolitik“ begreiflich werden. Die Auswirkungen falscher Politik kann man in Berlin an vielen Orten finden, selten aber sind es historische Stätten wo es so viel zu sehen und zu begreifen gibt wie im Reichstagsgebäude.

Seit wann sind Sie politisch aktiv? In welcher Form, wie äußerte sich das?
Mein Interesse für Politik entwickelte sich aus dem Wunsch heraus, selber etwas zu bewegen. Mit 14 Jahren war die Politik für mich noch weit weg. In der Schule habe ich aber angefangen mich zu engagieren. Das waren zuerst ganz unterschiedliche kleine Projekte in der Schule, an denen ich mitgearbeitet habe. Etwas später bin ich dann einer Jugendorganisation beigetreten. Dort habe ich als Schüler unter anderem dazu beigetragen, dass die Klingenberg Oberschule ein neues Eingangsportal bekommt. Dieses Engagement hat in mir später den Wunsch geweckt, mich intensiver mit Politik zu befassen. Ganz allgemein geht es doch um die Gestaltung unserer Gesellschaft – im Großen wie im Kleinen.


Der Anstoß, mich persönlich in der Politik einzubringen, kam aber aus der Familie. Einige Familienmitglieder waren damals politisch aktiv, die meisten aber waren und sind bis heute politisch interessiert. Von da an, also nachdem ich wusste, dass die Politik Teil meines Lebens werden wird, habe ich begonnen, meinen eigenen Weg zu suchen und zu finden. Die Lektion, die ich dabei wohl durch die Jahre hinweg am gründlichsten gelernt habe, ist, dass man im Politikalltag einen langen Atem braucht. Ich bin geduldiger geworden.

Gab es spezielle Ereignisse in Ihrer Jugend, sodass Sie erstmals politisch aktiv wurden?
Ereignisse gab es so manche, die Anlass waren zu Kleinfrust, wenn Sie so wollen. Vor der Wende und auch danach. Ich spreche von ganz allgemeinen Dingen, die unerklärlich Widersinnig waren und aller schönenWorte zum Trotz widersinnig blieben. Vieles ist besser geworden, aber beileibe nicht alles. Gestört haben mich immer Intransparenz und fehlende Inhalte bzw. Argumente. Da musste und muss ich noch immer Einspruch erheben.

Was bedeutet Politik für Sie persönlich?
Politik bedeutet für mich vor allen Dingen Bürgernähe. Als gelernter Handwerker kenne ich aus eigener Erfahrung die Erwartungen, die heute an mich gestellt werden. Jetzt, als junger Politiker, möchte ich all meine Energie dafür aufwenden, dass eben diese Erwartungen nach Möglichkeit erfüllt werden und es endlich besser wird in Berlin. D.h., dass man sich die Möglichkeit erwirbt, sich gestalterisch in die Belange unserer Gesellschaft einzubringen und nicht auf Treu und Glauben die Zukunft anderen überlässt.


Sind Sie gegenüber Menschen mit anderen politischen Orientierungen offen und aufgeschlossen oder voreingenommen und abgeneigt.
Weil…
Grundsätzlich offen und dialogbereit. Ich bin gern bereit parteipolitische Differenzen in den Hintergrund zu stellen, um geschlossen mit der CDU, den Grünen und/oder der SPD an einem Strang zu ziehen. Wichtig ist immer das Erreichen des Ziels, nämlich die Lebensqualität unserer Mitbürger zu fördern. Wenn es gemeinsam geht, um so besser.

Wie unterscheidet sich Ihre Politik von der anderer? Was macht Sie und Ihre Politik gegebenenfalls einzigartig?

Ich habe im Laufe meines politischen Engagements leider zu oft erfahren müssen, dass manchen Kollegen der persönliche oder der parteitaktische Vorteil wichtiger war als der Auftrag, der ihnen durch ihr Mandat erteilt worden war. Dieser Art der Politik, die nur sich selbst im Auge hat, habe ich mich nie angeschlossen. Für mich ist die politische Arbeit unmittelbar an die Erfüllung der mir übertragenen Aufgabe geknüpft.

Was macht heute Ihrer Meinung nach eine „Politikeridentität“ aus?
Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Politik ist nicht nur mit Erfolgen verbunden, sondern auch mit Rückschlägen und Enttäuschungen. Besondern dann, wenn gute Ideen und sinnvolle Projekte am Gezänk der Kollegen scheitern. „Politikeridentität“ nach meinem Verständnis bedeutet, standhaft und aufrichtig zu sein. Ein Wort muss auch dann gelten, wenn sich die momentanen Umstände schwierig gestalten. Gute politische Arbeit kann nicht abhängen von Opportunitäten. Für alle Politiker sollte gelten, Verantwortung ernster und als Teil ihrer Identität anzunehmen beziehungsweise zu einwickeln.



Wovon ist Ihrer Meinung nach (politische) Identität bzw. Identitätsentwicklung abhängig?
Auch hier ist es mir nur möglich von mir zu sprechen. Identitätsentwicklung bedeutet für mich den drängenden Wunsch zu verwirklichen, die Dinge, um die es in Berlin schlecht bestellt ist, nach Maßgabe meiner Möglichkeiten verbessern zu helfen und an dieser Aufgabe zu wachsen. Meine Arbeit in unserer Stadt und in meinem Wahlkreis liegt mir deshalb so am Herzen, weil sie direkt mit den Menschen verbunden ist. Mit ihnen und durch sie entwickelt sich auch eine politische Identität stets weiter.

Definiert sich der Berufspolitiker heute vorrangig durch seine Partei oder als individueller Charakter?
Durch beides gleichermaßen. Zielsetzung der Partei und persönlicher Charakter müssen sich entgegenkommen und einander ergänzen.

Es ist ein Verlust der Polarisierung zwischen den politischen Parteien zu verzeichnen. Was hat das für die (politische) Identität von Politikern und Parteien zur Folge?
Der Eindruck mag sich oftmals eingestellt haben. Für die Gegenwart, und was unsere Partei betrifft, glaube ich, dass sich in Programmatik und hartem Ringen um die Verwirklichung unserer Ziele ein Unterschied zu anderen Parteien deutlich zeigt. Sie sehen dies am Festhalten am gemeinsam erarbeiteten Koalitionsvertrag der Bundespartei, selbst wenn dies auf den vereinten Widerstand aller anderen stößt, die es nicht lassen können, ihre Politik mit Schulden zu bezahlen.

Wie kann Politik attraktiver gestaltet werden und an Profil gewinnen, damit sich mehr Jugendliche für die Politik der Parteien interessieren und auch engagieren?

Die Jugend hatte entscheidenden Anteil an der Entstehung unserer deutschen Demokratie. Jugend ist aber nicht nur Teil der Vergangenheit unserer Demokratie, sie ist auch ihre Zukunft. Unsere Jugend ist eminent wichtig für die Gestaltung unseres Landes, damals wie heute. Die Jugend ist allerdings über lange Zeit sträflich vernachlässigt worden, was die Möglichkeiten zur Anteilnahme am politischen System und an ihrer Gestaltung betrifft. Zu den vollkommen legitimen Belangen eines Jugendlichen gehört, dass er sich einen seiner Möglichkeiten entsprechenden Platz in der Gesellschaft sichert.

Das heißt ja mit anderen Worten, dass der Jugendliche ein starkes integratives Interesse hat. Wenn ihm die Möglichkeiten dazu genommen werden, wird er aus der Gesellschaft quasi entlassen und an Randpositionen gedrängt.

Um für junge Leute wieder an Attraktivität zu gewinnen, müsste sich der ganze Politikbetrieb öffnen und einladender sein. Politikbetrieb wird oft verstanden als „geschlossene Gesellschaft“. Hier ist es an der Politik sich besser zu präsentieren, zu öffnen und auch zuzuhören. Wenn man die Jugend erreichen will und auch die allgemeine Politikverdrossenheit aufbrechen möchte, muss man erkennen wo man falsch gelegen hat und Versäumnisse aufarbeiten.

Wir haben Jugendorganisationen die wir noch attraktiver machen müssen im Bezug auf Freizeitgestaltung, Bildungsangebote und natürlich im Bezug auf die direkte Anteilnahme und Gestaltung am politischen Prozess. Angebote müssen breiter gefächert werden, damit sich auch weit mehr junge Leute angesprochen fühlen und sich damit Identifizieren können. Damit sie sehen, dass auch sie wichtig sind und eine Stimme haben auf die man hört. Mit den damit einhergehenden Förderungen des Selbstbewusstseins sind sie automatisch näher am politischen Prozess.

Wie erklären Sie sich die vieldiskutierte Politik- und Parteienverdrossenheit in Deutschland?
Für die große Mehrzahl der Bürger sind Politiker ferne Wesen, die gerne viel versprechen und am Ende wenig halten. Da ist es kein Wunder, dass sich die Bürger abwenden. Deshalb plädieren meine Partei und ich für mehr Seriosität der Wahlversprechen. In meinem Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf haben wir beispielhalft gezeigt wie das geht. Nehmen Sie nur ein Beispiel: Von Anfang an hat die FDP zu verhindern gewusst, dass der Elsensee, der sauberste See Berlins, einer Investorin zur beliebigen kommerziellen Nutzung überlassen wird, womit dieses einzigartige natürliche Ökosystem für den Bezirk und seine Bewohner für immer zerstört worden wäre. Inzwischen haben auch die anderen Parteien erkannt, welch unwiderruflicher Schaden dadurch dem Bezirk entstehen würde.

Politik muss für den Bürger berechenbarer sein. Er muss sich sicher sein, dass seine partikulären Interessen in der Politik Berücksichtigung finden, denn immer noch ist der Wähler der Souverän in diesem Lande.

Warum haben es Politiker und Parteien derzeit so schwer, dass sich vor allem Jugendliche mit ihnen identifizieren?
Sie meinen: Jugendliche haben es schwer, sich mit Politikern und Parteien zu identifizieren. Das ist wohl so, aber nicht immer zu Recht. Gute Jugendarbeit hatte schon immer ihre guten Resultate, aber sie werden gern hingenommen als Selbstverständlichkeit. Es gelingt offenbar selten, Jugendliche Einzubinden in die Gestaltung ihrer Gegenwart und Zukunft. Da müssen wir entschieden mehr leisten, um junge Leute zur Mitwirkung zu gewinnen.

Chancen eröffnen
Sebastian Czaja im Interview zum Thema Integrationspolitik in Berlin

Welchen Beitrag leistet die Berliner FDP in Sachen Integrationspolitik?
Jeder in der FDP schätzt die Bereicherung durch Zuwanderer aus unterschiedlichen Kulturkreisen, denn keiner will eine Monokultur. Wir sind stolz auf die Vielfalt, die Berlin auch international attraktiv macht. Dieser Vorteil kann aber nur dann zum Tragen kommen, wenn all die verschiedenen kulturellen, religiösen und individuellen Lebensentwürfe den Rahmen unserer Gesellschaftsordnung respektieren.



Aus dem neuen Integrationspapier der Berliner Liberalen ist eine bereits alte Erkenntnis nochmal zu Papier gebracht worden. Es ist zu lesen, dass es in vielen Teilen unserer Stadt die herkömmliche Integrationspolitik nicht geschafft hat, nennenswerte Erfolge für sich zu verbuchen. Hier setzen wir nun mit unserem vor wenigen Wochen verabschiedeten Integrationspapier an und legen damit gleichsam eine Leitlinie für unsere Politik fest.

Welches sind die Kernaufgaben, denen sich die Integrationspolitik in Berlin dieser Tage stellen muss?
Leider treten die Integrationsprobleme in Berlin immer offener zu Tage, sie sind im Jahr 2010 angekommen, sind real und konkreter denn je. Dabei ist eines der wichtigsten Probleme, dass sich viele Zuwanderer aus unserer Gesellschaft zurückziehen und Parallelgesellschaften gründen. Diese Realität zu leugnen, sie zu beschönigen oder zu relativieren, trägt nicht zur Lösung der Probleme bei. Integrationspolitik ist eine Herausforderung, der wir uns alle stellen müssen. Es ist wichtig, die Probleme aktiv anzugehen und bereits mit den Lösungen an der Basis zu beginnen. Anderweitig werden sich die Schwierigkeiten, die wir heute haben, in Zukunft noch verschärfen.

In den meisten Fällen jedoch verlaufen Migration und Integration erfolgreich. Über diese gelungenen Beispiele spricht selten jemand. Dennoch sind Unternehmer und Arbeitnehmer ausländischer Herkunft für Berlin ein bedeutender Faktor – sowohl wirtschaftlich als auch sozial.

Welche Rolle spielt Bildungspolitik innerhalb der Bestrebungen nach mehr gelungener Integration?
Nachhaltige Integrationspolitik setzt im Bildungssystem an, denn durch den Sprachkontakt zwischen den nach Deutschland immigrierten Bürgerinnen und Bürgern und der deutschen Gesellschaft, ist eine Zweisprachigkeit entstanden. Für die Kinder, die zwischen diesen beiden Sprachgemeinschaften aufwachsen, ergeben sich mannigfaltige Probleme. Besonders im Bereich des Spracherwerbs ist dies deutlich zu erkennen. Die Kinder und Jugendlichen sind darauf angewiesen die mit der jeweiligen Sprache einhergehenden Verhaltensweisen, sozialen Normen und kulturellen Werte durch die Sprache zu erlernen. Jeder Bürger und jede Bürgerin nichtdeutscher Herkunftssprache muss in erster Linie in die Lage versetzt werden, an ihrer Umgebung teilzunehmen und die deutschen Werte und Normen kennen zu lernen, ohne dadurch in Widerspruch zu den tradierten Normen der Erstsprachgemeinschaft zu geraten. Viele Kinder und Jugendlichen stehen sowohl sprachlich als auch sozial „zwischen den Stühlen“ da sowohl in der Familie als auch im Freundeskreis und nicht selten auch in der Schule ein Mix aus mehreren Sprachen gesprochen wird.
In eben unserem Bildungssystem und allen flankierenden Einrichtungen liegt der Schlüssel zu einer gelingenden Integrationspolitik begraben. Bildung, das bedeutet keinesfalls eine Beschränkung auf die Regelschule. Bildung ist viel mehr. Bildung findet auch in der Freizeit statt. In Musikvereinen, auf Sportplätzen, bei Bastelstunden. Bildung ist überall dort, wo es was zu entdecken gibt. Wo man an sich und über sich hinaus wachsen kann.

Welche Schlüsse und Erkenntnisse kann man aus Ihrem Fachgebiet als sportpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus für eine erfolgreiche Bildungs- und Integrationspolitik ziehen?
Ein bewährtes Mittel zur Integration und zum Zusammenführen von verschieden Kulturen war und ist nämlich schon immer der Sport. „Durch das gemeinsame Miteinander bei Training und Wettkampf wird das WIR-Gefühl innerhalb der Mannschaft geschult, das sich zweifelsohne auf das Verhalten in der Zivilgesellschaft auswirkt“. Dabei kommen die im Sport entwickelten Charakter- und Sozialstrukturen auch dem Umfeld der Sportler unmittelbar zu gute. Es ist ein Leichtes dafür den Beweis anzutreten, denn wir haben hervorragende Integrationsvorbilder, beispielsweise im Spitzensport. Als Mesut Özil während der WM 2010 die Tore für Deutschland schoss, dachte kein Zuschauer, weder daheim an den Bildschirmen, noch im Stadion in Südafrika über Integrationspolitik nach, denn einer von uns schoss ja gerade ein Tor. Solche Vorbilder aus Sport oder Film und Fernsehen geben in vielerlei Hinsicht den Anstoß. Sie bringen für Jung und Alt den „Stein ins Rollen“: Die Anschließende Hauptarbeit leisten tausende kleiner Sport- Musik- sowie Kulturvereine und Clubs, die mit Jugendarbeit und demzufolge auch Integration befasst sind. Ihnen gilt in dieser Hinsicht viel Anerkennung!

Ihr Schlusswort:
Unsere Integrationspolitik braucht eine gesunde Vielfalt innerhalb der Schwerpunkte Fordern und Fördern. Das Integrationspapier der FDP hat diese Balance geschafft und geht präzise auf unterschiedliche Themenkomplexe der Integrationsarbeit ein.

Download zum Interview

Titel Bezugsmöglichkeit
Liberale Integrationspolitik Download als PDF [81 KB]
Chancen eröffnen - für den eiligen Leser Download als PDF [44 KB]

Um das Dokument betrachten zu können, ist der Adobe Acrobat Reader erforderlich. Diesen können Sie sich bei Adobe kostenlos herunterladen.

Als Sportpolitischer Sprecher Ihrer Partei haben Sie eine wichtige Aufgabe in Ihrer Fraktion. Welche Ziele sind für Sie in der Sportpolitik besonders wichtig?

Der Vereinssport nimmt auch eine gesellschaftspolitische Funktion war. Aufgabe der Politik ist es daher die Rahmenbedingungen zu verbessern und die notwendigen Mittel bereit zu stellen. Sport wird insbesondere in Städten nicht nur in Vereinen sondern auch selbstorganisiert ausgeübt. Dem muss auch die Politik z.B. bei der Nutzung und Sanierung von Sportanlagen gerecht werden. Dem Vereinssport ist jedoch stets Vorrang einzuräumen.



Öffentliche Sportanlagen sind eine wichtige Grundlage für den organisierten Sportbetrieb. Stehen Sie auch in finanzpolitisch schwierigen Zeiten weiter zur kostenfreien Zurverfügungstellung der Standardsportanlagen für gemeinnützige Vereine?

Die FDP wird sich auch künftig für die kostenlose Nutzung von Sportanlagen durch Vereine einsetzen. Entgelte führen zu höheren Vereinsbeiträgen und Mitgliederschwund, mit der Folge, dass die Vereine ihren gesellschaftspolitischen Aufgaben nicht mehr gerecht werden können.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, das Vereinsinvestitionsprogramm zur Unterstützung der Vereine mit einem 20 %igen Zuschuss bei Baumaßnahmen in den nächsten Jahren zu erweitern?

Vereine sind häufig nicht in der Lage die notwendigen Eigeninvestitionen aufzubringen. Aus diesem Grund wurden in den letzten Jahren die Mittel des Vereinsinvestitionsprogramms nicht vollständig ausgeschöpft. Kann der Bedarf aus den bestehenden Mitteln künftig jedoch nicht gedeckt werden, wird die FDP-Fraktion eine Ausweitung der Mittel unterstützen.

Die Sportförderung Berlin gründet sich neben der kostenfreien Zurverfügungstellung von Standard-Sportanlagen auf die Förderung aus Haushaltsmitteln des Landes und die Beteiligung des Landessportbundes Berlin an den Erträgen der Deutschen Klassenlotterie Berlin. Da die DKLB-Erträge seit Jahren sinkend sind, ergibt sich daraus zwangsläufig eine Reduzierung der Sportförderung von Jahr zu Jahr. Welche Initiativen werden von Ihrer Partei unternommen, um die finanzielle Basis des Berliner Vereinssports auch bei sinkenden DKLB-Erträgen für die Zukunft zu sichern?

Durch die Abführung von Konzessionsabgaben welche unter anderem der Sportförderung zu Gute kommen sollen, ist auch bei der Liberalisierung der Sportwetten sichergestellt, dass der Berliner Vereinssport die notwendige Unterstützung erhält. Aktuell sinkende Fördermittel in Folge des Staatsmonopol zeigen, dass nur mit einem Konzessionsmodell dauerhaft die Sportförderung sichergestellt werden kann.

Was werden die Sportpolitiker Ihrer Partei unternehmen, um bei der innerstädtischen Entwicklung des Flughafens Tempelhof den Sportstättenbedarf der drei angrenzenden Bezirke zu berücksichtigen?

In den Bezirken rund um das Gleisdreieck besteht ein akuter Mangel an Sportflächen. Es ist skandalös, dass der Sport aus grünen parteipolitischen Erwägungen nach 10 Jahren aus den Planungen am Gleisdreieck verschwunden ist. Sportanlagen auf dem Tempelhofer Feld sind dringend notwendig, jedoch als Ergänzung und nicht als Ersatz für die ursprünglich geplanten Sportanlagen am Gleisdreieck. Nach dem Fiasko am Gleisdreieck setzt sich die FDP dafür ein, dass der Sport frühzeitig und verbindlich in die Planungen eingebunden wird. Möglichkeiten der temporären Zwischennutzung auch für den Vereinssport müssen genutzt werden.

Welche Anstrengungen wird Ihre Partei unternehmen, um dieses Engagement zukünftig finanziell, durch Verwaltungsvereinfachungen und durch kostenlose Zurverfügungstellung von Sportanlagen zu fördern?
Das Ehrenamt ist eine tragende Säule des Vereinssports. Es gehört daher zu einer der dringendsten Aufgaben der Sportpolitik das Ehrenamt attraktiver zu gestalten und eine bessere Vereinbarkeit mit dem Beruf zu ermöglichen. Neben Vergünstigungen oder kostenloser Nutzung von Einrichtungen durch eine Ausweitung der Ehrenamtskarte sind hier auch steuerrechtliche Vorteile möglich. Das diesbezügliche Steuerrecht obliegt aber dem Bund. Die dortigen Koalitionspartner der FDP zeigen im Bereich der Steuervereinfachung etc. leider nur wenig Bewegung.

Ist Ihre Partei bereit, die notwendige Sportförderung zu sichern und mit dem Landessportbund Berlin und seinen Mitgliedsorganisationen einen „Solidarpakt Sport“ in Analogie zu dem Beispiel des Landes Baden-Württemberg abzuschließen?
Wer sich in den Erfolgen der Berliner Sportler und Sportlerinnen sonnen möchte, muss auch für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen. Eine nachhaltige Sportförderung setzt eine langfristige Planbarkeit voraus. Die FDP begrüßt daher den Vorstoß den Umfang der Förderung von den Einnahmen aus dem Glücksspiel zu lösen. Die Abhängigkeit der Sportförderung von den Glücksspieleinnahmen muss beendet werden. Es ist absurd, wenn aus Gründen der Suchtprävention der Glückspielmarkt beschränkt werden soll und auf der anderen Seite aus Gründen der Sportförderung eigentlich ein Anstieg wünschenswert wäre. Der von der ehemals bürgerlich-liberalen Koalition in Baden- Württemberg beschlossene Solidarpakt Sport ist daher eine Möglichkeit dieses Problem zu lösen. Ein anderer Weg ist das von der FDP vorgeschlagene Konzessionsmodell für den Glücksspielmarkt. Die Höhe der Konzessionsgebühren wäre unabhängig vom Umsatz und über den Zeitraum der Konzession zu zahlen, so dass die Sportförderung gesichert wäre, ohne dass es zu einer direkten Abhängigkeit des Sports vom Glücksspielmarkt kommen würde.

Wird ihre Partei das Sportanlagen-Sanierungsprogramm, das zurzeit nicht ausreichend ausfinanziert ist, bedarfsgerecht ausstatten?
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Zurückstellung von dringenden Sanierungsmaßnahmen im Ergebnis zu steigenden Kosten führen und somit nachteilig für den Landeshaushalt sind. Zu einer Sportstättensanierung gehört es auch, dass bei den Sanierungsmaßnahmen die aktuellen Entwicklungen berücksichtigt werden und die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Sportanlagen z.B. auch vom selbstorganisierten Sport oder von behinderten Menschen mitgenutzt werden können. Auch, wenn durch das Konjunkturprogramm des Bundes zusätzlich finanzielle Mittel für die Sportanlagensanierung zu Verfügung standen ist der Rückstau noch immer erheblich. Die FDP wird sich dafür einsetzen, dass dieser Rückstau weiter abgebaut wird.

Wie steht Ihre Partei dazu, das sogenannte Vereinsinvestitionsprogramm, das zurzeit lediglich mit 2 Mio. Euro p.a. ausgestattet ist, zukünftig zu verdoppeln?
Die FDP begrüßt das Vereinsinvestitionsprogramm und wird sich auch weiterhin für eine angemessene Ausstattung einsetzen. Die letzten Haushaltsberatungen haben jedoch gezeigt, dass die Vereine häufig nicht in der Lage sind die notwendigen Eigeninvestitionen aufzubringen, so dass aus diesem Grund die Mittel des Vereinsinvestitionsprogramms in den letzten Jahren nicht vollständig ausgeschöpft wurden. Kann der Bedarf aus den bestehenden Mitteln künftig jedoch nicht gedeckt werden, wird die FDP eine Ausweitung der Mittel unterstützen.

Wird Ihre Partei das Kooperationsprogramm „Sport und Schule“ erweitern und werden Sie sich für die Verbesserung der Rahmenbedingungen an den Grundschulen einsetzen?
Die FDP setzt sich für eine stärkere Eigenverantwortung von Schulen ein. Zu dieser Eigenverantwortung gehört es auch, dass die Schulen Kooperationen mit Dritten schließen können. Der Ausbau der Ganztagsschulen wird zwangsläufig zu einem veränderten Freizeitverhalten der Schüler führen, so dass eine Kooperation mit Schulen auch im Interesse der Sportvereine liegt. Die FDP setzt sich dafür ein, dass die Schulen mit eigenen finanzielle Mitteln ausgestattet werden, um eigene Schwerpunktsetzungen vornehmen zu können. Es ist befremdlich, dass der rot-rote Senat nicht bereits vor Einführung der Ganztagsschule notwendige Konzepte entwickelt hat die zusätzliche Schulzeit auch mit Inhalten zu füllen. So waren es die Fraktionen von CDU, Grüne und FDP die im Januar 2009 mit einer Sportkonferenz zum Thema „Sport in Ganztagsschulen“ die Notwendigkeit von zusätzlichen Kooperationen aufgezeigt haben.

Ist Ihre Partei bereit, in den Sport als wichtiges gesellschaftspolitisches Tätigkeitsfeld zukünftig eine verbesserte Förderung zu gewährleisten?
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass dem Sport vielfach eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung gesellschaftlicher Probleme zukommt. Neben der Bekämpfung von Übergewicht bei Kindern und der damit oftmals verbundenen Bewegungsarmut soll der Sport auch verstärkt bei der Integration von Migranten unterstützen. Diesen Aufgaben können die Sportvereine jedoch nur dann gerecht werden, wenn sie die notwendige Unterstützung erhalten. Das Bildungspaket der Bundesregierung , in Fortsetzung des Programms „Kids in die Clubs“ kann nur ein erster Teilschritt sein.

Welche Anstrengungen wird Ihre Partei unternehmen, um die dritte Sportstunde zu sichern und den Anteil ausgebildeter Sportpädagogen in der Primarstufe zu erhöhen?
Die FDP setzt sich wie in der Vergangenheit für eine Stärkung des Schulsports ein. Die langjährige Diskussion um die dritte Sportstunde hat sich durch den Ausbau der Ganztagsschulen und der Zunahme der Kooperationen mit Sportvereinen jedoch zum Teil erledigt. Die FDP wird sich dafür einsetzen, dass die Schüler in Berlin durch die zusätzlichen Angebote der Ganztagsschule ein Sportangebot nutzen können, welches über die dritte Sportstunde hinaus geht. Sport ist jedoch mehr als nur Beschäftigung, so dass es geboten ist, dies durch geschultes Personal anzubieten.

Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, die Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Eliteschulen des Sports zu sichern, den Umzug der Poelchau-Schule in den Olympiapark in die Investitionsplanung aufzunehmen und die Finanzierung von hauptamtlichen qualifizierten Trainern in ausreichendem Umfang zu gewährleisten?
Die FDP hat sich im Berliner Abgeordnetenhaus in den letzten Jahren nicht nur dafür eingesetzt, dass der Umzug der Poelchau-Schule erfolgt, sondern dieser auch im Hinblick auf die Asbestbelastung deutlich beschleunigt wird. Die Aufnahme in den Investitionsplan wurde von Senat und der rot-roten Koalition bereits mehrfach angekündigt. Die FDP wird hier den Senat weiter treiben, um Schülern, Eltern und Lehrern endlich eine Perspektive zu geben und das Bauvorhaben prioritär zu behandeln.

Ist Ihre Partei bereit, darauf einzuwirken, dass zukünftig eine effizientere Zusammenarbeit im Sportgesundheitssektor gewährleistet werden kann?
Im Gesundheitsbereich und insbesondere bei den Krankenkassen findet derzeit ein Umdenken dahingehend statt, dass die immer weiter steigenden Kosten durch eine Förderung der Prävention gestoppt werden können. Die FDP begrüßt diesen Ansatz. Die FDP sieht aber auch das Problem, dass vereinsfremde Angebote bei der Vergabe von Sportflächen benachteiligt werden. Die FDP fordert daher als ersten Schritt, dass alle Berliner Sportanlagen in einem Onlineportal erfasst werden, auf welchen auch eine Buchung freier Zeiten möglich ist. Der Vereinssport soll jedoch auch künftig vorrangig behandelt werden.

Welche Forderung wird Ihre Partei zur Gestaltung des Areals des Tempelhofer Feldes erheben und in welchem Umfang und Zeitraum sollen die geforderten Sportanlagen dort errichtet werden?
In den Bezirken rund um das Gleisdreieck besteht akuter Mangel an Sportflächen. Es ist skandalös, dass der Sport aus grünen parteipolitischen Erwägungen nach 10 Jahren aus den Planungen am Gleisdreieck verschwunden ist. Sportanlagen auf dem Tempelhofer Feld sind dringend notwendig, jedoch als Ergänzung und nicht als Ersatz für die ursprünglich geplanten Sportanlagen am Gleisdreieck. Nach dem Fiasko am Gleisdreieck setzt sich die FDP dafür ein, dass der Sport frühzeitig und verbindlich in die Planungen eingebunden wird. Möglichkeiten der temporären Zwischennutzung auch für den Vereinssport müssen genutzt werden.

Welche Maßnahmen wird Ihre Partei ergreifen, um im Land Berlin behinderten Menschen die gleichberechtigte Teilnahme an Sportaktivitäten zu ermöglichen?
Die FDP fordert bei der Sanierung von Sportanlagen eine stärke Berücksichtigung der Interessen behinderter Menschen. Dies ist ein erster Schritt, um eine gleichberechtigte Teilnahme zu ermöglichen. Darüber hinaus muss der Behindertensport eine stärkere Akzeptanz in der Gesellschaft bekommen. Die Berichterstattung über die Erfolge der deutschen Mannschaft bei den Paralympics ist ein erster Anfang. Die FDP wird sich für eine stärkere Förderung gemeinsamer Sportveranstaltungen einsetzen, um den Behindertensport weiter in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Auch der Umstand, dass dem Behindertensport zugeordneten Sportarten wie z.B. Rollstuhlbasketball auch von Nichtbehinderten ausgeübt werden kann muss stärker in den Fokus rücken.

Am Rande der Veranstaltung "Poelchau 21 - Astbestschule nein" vom 30.März 
gab Sebastian Czaja für Hockeyradio 88,4 folgendes Interview:

Quelle:
Wir bedanken uns bei www.hockeyradio.net und www.alex-berlin.de/radio für die zur Verfügungstellung des Materials.

Sebastian Czaja im Interview mit Radio Paradiso - Klare Positionen für Berlin

Hören Sie, wie sich Sebastian Czaja im Interview zu folgenden Themenschwerpunkten äußerte:

01. Wie geht es weiter mit der FDP im Bund?

02. Welchen Einfluss hatten die aktuellen Ereignisse in der Welt auf die Landtagswahlen und wie wird sich das auf die Wahlen im September in Berlin auswirken? Wie hätte die Bundesregierung mit der Katastrophe in Fukushima umgehen müssen?

03.Was muss verbessert werden in der Bildungspolitik?

04.Thilo Sarrazin und das liberale Verständnis von einer multikulturellen Gesellschaft – welche Integrationsdebatte führt die FDP?

05. Wie soll die Wirtschaft in Berlin in Schwung gebracht werden und was unterscheidet liberale Wirtschaftspolitik von der politischen Konkurrenz?

06. Was bedeutet Religion für Sie und für die FDP?

© 2011 Radio Paradiso Berlin

Benjamin Stöcker hat diesmal Sebastian Czaja zu Gast. Er ist Sprecher für Sport, berufliche Bildung, Wissenschaft und Forschung und Stellvertrenender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus Berlin. Mit ihm spricht Ben über die Ziele der FDP bei der diesjährigen Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus.

Die Papstrede im Bundestag verstößt gegen das Prinzip der Neutralität des Staates in weltanschaulichen Fragen. Was meinen Sie – sollen Vertreter einzelner Religionen überhaupt vor dem Bundestag reden?

Selbstverständlich sollte der Papst vor dem Bundestag sprechen dürfen. Er repräsentiert nicht nur die Katholische Kirche, sondern er ist auch Oberhaupt eines souveränen europäischen Staates, nämlich des Vatikanstaates. Allein das wäre schon ausreichender Grund für eine Rede vor dem Parlament.




Wenn ja: Vertreter welcher Religionen würden Sie dafür auswählen und warum?

Unser Grundgesetz fußt auf den Wurzeln der christlich-jüdischer Traditionen unserer Gesellschaft. Demnach hätte ich auch keine Probleme mit einem Auftritt von Vertretern des jüdischen wie auch von anderen Vertretern des christlichen Glaubens, sofern diese für sich in Anspruch nehmen könnten für eine signifikante Größenordnung von Menschen sprechen zu können. Und 25 Millionen Menschen in Deutschland, also fast ein Drittel, bekennen sich zum römisch-katholischen Glauben. Auch dies reicht meines Erachtens für einen Auftritt des Papstes vor dem Deutschen Bundestag. Die allgemeine Aussage, keinem Glauben anzugehören, ist jedoch keine hinreichende Qualifikation für eine Parlamentsrede.

Welchen Impuls für die Demokratie erwarten Sie davon?

Der Papst ist deutscher Herkunft und ist in einem traditionsreichen internationalen Gremium, dem Konklave, in freier und geheimer Abstimmung zum Oberhaupt der Katholischen Kirche und des Vatikanstaates gewählt worden. Ich denke also, dass der Papst allein aufgrund der großen Zustimmung und der vielen Sympathie, die ihm entgegenschlägt, absolut als Beispiel für gelebte Demokratie herhalten kann.

Die weitgehenden Privilegien der Kirchen gehen zum großen Teil auf das Reichskonkordat zwischen Hitler und dem Heiligen Stuhl zurück (ratifiziert am 10. 9. 1933). Ein katholischer Kardinal lobte diesen Vertrag 1937 mit den Worten „Für das Ansehen der neuen Regierung im Ausland war das eine Tat von unschätzbarer Tragweite“. Sind Sie der Meinung, dass heute über das Reichskonkordat neu diskutiert werden sollte?

Die Bundesrepublik Deutschland und viele Bundesländer haben inzwischen eigene moderne Verträge mit der Katholischen Kirche geschlossen, oder alte Verträge erneuert. Erstere beinhalten zum Beispiel wertvolle Beiträge der Kirche zum Bildungswesen an deutschen Hochschulen. Natürlich muss sich die Zusammenarbeit zwischen staatlichen und anderen Institutionen zeitgemäßen Anforderungen anpassen. Man muss sie aber nicht grundsätzlich in Frage stellen.

Würden Sie jemandem, dem die Religionsfreiheit im Sinne von "keine Religion haben" sehr wichtig ist, empfehlen, Sie bzw. Ihre Partei zu wählen? Warum?

Selbstverständlich ist ein wesentlicher Bestandteil liberaler Überzeugung die persönliche Freiheit, gläubig zu sein oder auch nicht. Die FDP ist also die ideale Partei für Menschen aller Glaubensrichtungen, einschließlich des festen Glaubens an die Nichtexistenz Gottes.

Wenn Sie als Abgeordneter gewählt würden und den Eid zu leisten hätten - würden Sie auf Gott schwören? Wenn ja - auf welchen?

„So wahr mir Gott helfe“ ist für mich keine Floskel, sondern gegenseitige moralische Verpflichtung. Also: ja, ich gehe davon aus, dass der biblische Gott der Dreifaltigkeit ein wichtiger Wegbegleiter meiner politischen Tätigkeit ist.

Gottesdienst und andere religiöse Sendungen dürfen die Kirchen kostenlos in Radio und Fernsehen senden. Dies bevorzugt einzelne Religionen. Sind Sie der Meinung, dass das geändert werden sollte?

Nein. Der derzeitige Sachstand spiegelt auch inhaltlich einen Grundkonsens unserer Gesellschaft wieder. Natürlich gibt es auch Sendungen über den Buddhismus oder den Islam. All dies zeigt auch medial ein buntes Bild unseres Zusammenlebens und das ist auch gut so. Solange Gläubige den Wunsch haben, Gottesdienste am Radio oder im Fernsehen zu verfolgen, da sie vielleicht nicht die Möglichkeit zur persönlichen Teilnahme in einer Kirche haben, gehört deren Ausstrahlung für mich zum Versorgungsauftrag aller öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.

Am 20. November 2010 war ich als Podiumsgast auf dem 10. Berliner jugendFORUM im Berliner Abgeordnetenhaus geladen und engagierte mich in der Diskussionsgruppe „Berlin for sale“. In dieser Gruppe entbrannte schnell eine hitzige Debatte über Finanzierungsmöglichkeiten, Schuldenbegrenzung und über die generelle Zukunft der Stadt.



Wie und in welcher Form wurde das Thema von politischer Seite bearbeitet?

Sowohl der mittelfristige Finanzplanung von Berlin 2010 bis 2014, als auch der Stabilitätsbericht des Landes Berlin für das Jahr 2010 lassen befürchten, dass der Senat die grundgesetzlich verankerte „Schuldenbremse“ ab 2020 weder einhalten will noch kann. Daher hat die FDP einen dringlichen Antrag zur Einführung einer Schuldenbegrenzung für Berlin ins Parlament eingebracht. Zudem haben wir uns stark in die Debatte um die Rekommunalisierung, zum Beispiel der Wasserbetriebe, eingebracht. Denn auch Rekommunalisierung muss richtig gemacht werden, damit ein Nutzen für alle daraus in der Stadt entsteht.

Warum ist das Thema so wichtig?

Ich sage: Die Verschuldung des Landes Berlin ist im Jahr 2010 auf über 60 Milliarden Euro angewachsen. Der Schuldenstand je Einwohner wird bereits im Jahr 2014 über 20.000 Euro betragen. Bereits jetzt muss das Land Berlin knapp 18 Prozent seiner Steuer- und Abgabeneinnahmen für Zinszahlungen ausgeben. Bei diesen aktuellen Voraussetzungen droht Berlin eine Haushaltsnotlage.
Trotz dieser alarmierenden Voraussetzungen ist der rot-rote Senat allerdings nicht bereit, eine seriöse Haushaltskonsolidierung vorzunehmen. Vielmehr versucht er mit scheinheiligen Rechenmodellen die Zahlen schön zu rechnen. Auf Grund der aktuell vorgelegten Zahlen ist es jetzt dringend geboten, eine eigene Schuldenbegrenzung in die Landesverfassung einzuschreiben. Im Interesse aller Berlinerinnen und Berliner muss der Konsolidierung des Haushaltes und der Reduzierung der Ausgaben oberste Priorität beigemessen werden. Andernfalls wird Berlin bereits in naher Zukunft handlungsunfähig sein. Wir müssen jedoch Handlungsspielräume für die kommenden Generationen eröffnen. Die bereits jetzt erdrückende Zinsenlast von zehn Prozent dürfen wir nicht auf die kommenden Generationen umwälzen, ohne uns darüber Gedanken zu machen. Deswegen ist das Thema so wichtig.

Was muss politisch passieren?

Anstatt sich wie die Grünen populistisch um negative Folgen des Tourismus, vermeintliche Luftschneisen und das „Mikroklima" in Ihren Kiezen zu sorgen, muss man sich angesichts derartiger Initiativen mittlerweile ernsthafte Sorgen um das Berliner Investitionsklima machen. Das liberale Motto für Berlin muss stattdessen lauten „Konzepte weiterdenken statt Projekte versenken". Zudem muss der Personalbestand der Berliner Verwaltung durch den Abbau von Doppelstrukturen auf das Niveau anderer Stadtstaaten eingestellt und damit um circa zehn Prozent auf unter 93.000 Vollzeitstellen reduzieren werden. Die Beschaffung aller Materialien der Verwaltung des Landes Berlin muss durch eine zentrale Einkaufsstelle gebündelt und professionell ausgeschrieben werden. Die Einkaufsabläufe und das Lieferantenmanagement gehören verbessert, denn so ließen sich 10 Prozent der Einkaufskosten von derzeit 5 Mrd. Euro sparen.

Ich bin überzeugt davon, dass teure und ideologisch geprägte Beschäftigungsprogramme, wie der ÖBS, abgeschafft werden müssen. Zudem ist die Einführung eines Zentralen Forderungsmanagements angesichts offener Forderungen von 273 Millionen Euro zwingend notwendig. Nicht irgendwann, jetzt.


Quelle: http://www.berliner-jugendforum.de/index.php?id=7&tx_ttnews[tt_news]=351&tx_ttnews[backPid]=6&cHash=c41943da25
Foto: © Laura Krispin

1. Welche Möglichkeiten haben denn nach Ihrer Meinung Angebote von Jugendarbeit – seien es offene Angebote oder Angebote von Jugendverbänden – tatsächlich Beiträge zur Integration zu leisten?

Ich glaube, wichtig für die Integration ist – unabhängig von Jugend-, Sport- oder Schulpolitik, dass alle darauf achten, dass es grundsätzlich eine gemeinsame Wertevorstellung und eine gemeinsame Normenvorstellung gibt, an die es sich in einer Gesellschaft zu halten gilt. Diese Werte und Normen kann Sport vermitteln, die kann Schule vermitteln und die kann auch Jugend- und Sozialarbeit vermitteln.

2. Die Grünen haben sich relativ klar dafür ausgesprochen, die Bereiche Prävention und Hilfen zur Erziehung dahingehend zu verändern, dass Mittel aus dem Bereich Hilfen zur Erziehung in den Bereich Prävention umgeschichtet werden – so heißt es auch im Wahlprogramm der Grünen. Wie stehen Sie zu der Position?

Ich habe selbst eine Position zu der Frage und sage Ihnen einfach, wie wir damit umgehen würden:
Aus Sicht der FDP würden wir das Problem an der Stelle packen, wo es in die Abwärtsspirale eingreift, nämlich bei den Fragen von Hilfen zur Erziehung. Ich habe mal einen Blick in die Quelle des Statistischen Bundesamts geworfen, das für das letzte Jahr ausweist, dass wir einen steigenden Beratungsbedarf für mehr als 500.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland haben, die eine solche Hilfe brauchen.

Als Landespolitiker erlebe ich hier in diesem Haus immer wieder im Hauptausschuss, dass die Hilfen zur Erziehung ausufern. Ich erlebe auch seit 2006, seitdem ich in diesem Parlament sitze, dass wir alle dem insgesamt immer mit einer gewissen Ohnmacht gegenüber stehen. Niemand in den Bezirken möchte die Verantwortung tragen, eine solche Maßnahme nicht unterschrieben oder nicht eingeleitet zu haben.

Es gibt aber viele Bezirke, die sehr stringent daran arbeiten, kontinuierlich zu evaluieren, das heißt, die Maßnahmen sukzessive nach und nach zu überprüfen und möglicherweise nicht fortzuschreiben. Zu Recht stellt sich ja der Bezirk, der das tut, die Frage: Was habe ich davon? Und der Bezirk, der es nicht tut, sagt: Für mich ändert sich ja nichts. Ich kann es ja weiter hinnehmen, wie es ist.
Hier wollen wir als FDP-Fraktion an eine Stellschraube heran, die da heißt: Haushaltsgesetz. Wir prüfen gegenwärtig, inwieweit es möglich ist, das Haushaltsgesetz an einer Stelle so zu ändern, dass die Einsparungen, die im Bereich Hilfen zur Erziehung erzielt worden sinddurch Umsteuerung, Maßnahmenwechsel und dergleichen, bei den jeweiligen Bezirken bleiben und dass der jeweilige Jugendhilfeausschauss am Jahresende – zu diesem Zeitpunkt erfolgt die Förderung – letztlich die Möglichkeit hat, präventiv und frühzeitiger in Projekte zu investieren, die dafür sorgen, dass junge Menschen gar nicht erst in die Situation kommen, dass sie einmal in ihrem Leben eine Maßnahme brauchen, die da heißt: Hilfe zur Erziehung. Das ist der erste Punkt.

Der zweite Punkt ist, dass wir eines nicht machen werden, und dafür stehen wir ganz klar als FDP: Es gibt in diesem Land Berlin einen Globalsummenhaushalt für die jeweiligen Bezirke. Das heißt, dass die Bezirke ein autarkes, eigenständiges Budget verwalten können. Zusätzlich gibt es an die 200 Sonderprogramme in Berlin, wo überall der Senat sagt: Hier bekommt ihr ein bisschen was, da bekommt ihr ein bisschen was. Wenn wir davon ausgehen, dass es eine zweistufige Verwaltung in diesem Land geben soll mit den Bezirken und einer Hauptverwaltung, dann heißt das auch, dass die Bezirke ihr Budget vom ersten bis zum letzten Euro selbständig verwalten und organisieren und nicht noch am Gängelband eines Sonderprogrammes des Landes Berlin gehalten werden.

Deswegen sage ich, kann dann der Punkt nicht mehr eintreten, dass derjenige, der bestellt, nicht bezahlt, sondern: Derjenige, der dann bestellt, hat zu bezahlen. Und nicht, dass zusätzliche Leistungen, die auf Landesebene in großen Debatten vereinbart werden, letztlich durch die Jugendarbeit in den Bezirken abgefedert werden.

Ich denke da beispielsweise an das Netzwerk Kinderschutz, wo überall hier in diesen Räumen - unter anderem auch in dem, in dem wir heute abend sitzen - Beschlusslagen herbeigeführt wurden, aber parallel nicht das dafür notwendige Geld zur Verfügung gestellt wurde. Dafür stehen wir ganz klar ein.

Ich glaube, wichtig ist, dass wir die Ursachen dafür bekämpfen und frühzeitig anfangen, in Familienförderung und Bildungsmaßnahmen zu investieren, in Kita, Schule und dergleichen, damit wir uns gar nicht langfristiger mit diesen Fragen beschäftigen müssen.

Derzeit ist die Finanzierungspyramide so, dass wir in Deutschland und auch in Berlin von unten eher wenig Geld in das System der Bildungspolitik hineingeben und nach oben hin immer mehr. Ich glaube, wir müssen es umdrehen und von unten her früher mehr Geld investieren, damit wir in der Folge nicht probieren, das Kind, was in den Brunnen gefallen ist, mit zusätzlichen Maßnahmen wieder zu stabilisieren - denn leider, leider, gelingt das langfristig nicht immer.

3. Was kann Politik dafür getan werden, um ehrenamtliches Engagement weiterzuentwickeln, und zwar, wie Sie deutlich gemacht haben, nicht als Ersatz, sondern als eigenständigen Wert?

Wenn ich mir zum Beispiel die ganze Frage der Förderung vom Freiwilligen Sozialen Jahr anschaue und sehe, wo heutzutage überall FSJ-ler in Projekten der Sozialarbeit eingesetzt werden, die mit einer Selbstverständlichkeit an dieser Stelle Aufgaben wahrnehmen und ausfüllen, die nicht das Plus in diesem Projekt sind, sondern der komplette Ersatz für Vollzeitstellen, dann glaube ich, läuft in diesem Land ordentlich etwas schief.

Deswegen meine ich, dass wir diese Institutionen und die Sachen, die wir hier geschaffen haben, in dem Sinne auch so respektieren und immer wieder forcieren müssen. Wir dürfen die (Ehrenämter) nicht infrage stellen, sondern müssen sie evaluieren und gucken, dass diejenigen tatsächlich nur das Plus in diese Projekte einbringen und nicht als Ersatz für Stellen des 1. Arbeitsmarktes eingesetzt werden.

Mit dem Ehrenamt ziele ich ein Stückweit darauf ab, dass dieses Land Berlin natürlich auch im Rahmen von Haushaltsanreizen Möglichkeiten hat, Unterstützung für ehrenamtliches Engagement zu schaffen. Da gibt es die Möglichkeit über eine EhrenamtsCard und über all die staatlichen Einrichtungen, die dieses Land Berlin vorhält, Ehrenamtlern dort natürlich einen Vorzug im Zutritt zu gewährleisten. Wieso müssen das immer nur Menschen sein, die eine gewisse Einkommensgrenze und einen gewissen sozialen Status erlangt haben – aus der Sicht, die wir heute pflegen?

Warum nicht diejenigen (beschäftigen), die der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen, die sich in dieser Gesellschaft einbringen und letztlich auch dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft an der Stelle auch im Sinne einer Generationengerechtigkeit funktioniert?

Ich glaube, da haben wir überall Möglichkeiten, auch als Politik, und dafür würden wir uns als FDP auch ganz klar stark machen, damit hier ein klarer Anreiz gegeben wird.
Ich kann dies ausdifferenzieren bis hin zu wieviel angerechnet werden sollte in der Frage von Credit Points in Sachen Hochschule. Welche Rolle sollte Ehrenamt spielen, um gleichzeitig anerkannt zu werden im Sinne von Studiengängen, Berufsausbildungsgängen und dergleichen?