Politik zum Dessert und der Schuldenschirm
Wie man die Finanzkrise (nicht) löst
Die FDP Marzahn-Hellersdorf lud am vergangenen Mittwoch, erstmalig nach der Kommunal- und Landeswahl in Berlin, wieder zu ihrer traditionellen Veranstaltung „Politik zum Dessert“ ein. Aktuelles Thema so kurz vor dem FDP Mitgliederentscheid zur Euro-Kurs der Bundesregierung, war die Frage „wie man die Finanzkrise (nicht) löst“. Neuartig war dieses Mal bei Politik zum Dessert, dass zwei Diskutanten aufeinander trafen. Zudem hätten deren Einschätzungen zur Eurokrise gegensätzlicher nicht sein können.
Alexander Niemetz war jahrelang stellvertretender Leiter und Moderator des „heute-journals“ im ZDF. Er ist Gründer der erfolgreichen Initiative „Deutschland in Aufbruchstimmung“. Er vertrat die Meinung, dass der Euro nicht in der Krise sei, trotz Abwertungstrend. „Der Euro wird das überleben“, sagte er bestimmt.
Ihm gegenüber stand der Wirtschaftsexperte Frank Schäffler MdB, Initiator des aktuell vieldiskutierten FDP-Mitgliederentscheids gegen den Euro-Rettungsschirm. Ihm zufolge erhöht sich die Ansteckungsgefahr der Krise auf andere europäische Länder, wenn der Rettungsautomatismus fortgesetzt wird, wie bisher – er ist entschieden gegen den Rettungsschirm der Bundesregierung.
Nach einer kurzen Anmoderation des Gastgebers Sebastian Czaja, wurde die kontroverse Diskussion von Thomas Philipp Reiter, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP Marzahn-Hellersdorf moderiert. Sein Talent provokante Thesen zu stellen und die kritischen Anmerkungen aus dem Publikum in seine Moderation aufzunehmen, dankten ihm die anwesenden Gäste mit Aufmerksamkeit und großem Applaus.
Themengerecht fand Politik zum Dessert dieses Mal in einem Griechischen Restaurant statt, dessen Maître üppige Speisen und vollmundige Weine aus seinem Heimatland auftischte und kredenzte.
Wie die Diskutanten, so war auch das Publikum uneins über die Antwort auf die Frage des Abends. Und so gab es auch zum Ende hin zwei Lösungswege für die Finanzkrise. Eine mit, und eine ohne Rettungsschirm. Einigkeit im Saal bestand allerdings bei der Annahme, die Bundesregierung hätte mit ihrer zögerlichen Haltung gegenüber der Finanzkrise bereits Milliarden verspielt.
Der Abend endete mit zahlreichen Privatgesprächen zwischen Gästen und den Podiumsdiskutanten, denn kaum einer wollte sich die Gelegenheit nehmen lassen, mit einem, oder gar mit beiden anerkannten Finanzexperten zum Eurothema zu sprechen, das wie ein Damoklesschwert über dem Europa dieser Tage hängt.
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